Steig ab

Sobald du erkennst, ein totes Pferd zu reiten

'Ein in der Sonne stehender Baum, ein verwitterter Stein, ein Tier, ein Berg - sie haben ein Leben, sie haben eine Geschichte, sie leben, leiden, trotzen, genießen, sterben, aber wir begreifen es nicht.'
Hermann Hesse

Viele Menschen verharren in Lebenssituationen, die sie nur unglücklich machen. Ertragen in vollem Bewusstsein der Missstände falsche Partnerschaften, Freundschaften oder auch Jobsituationen. Treibender Motor sind hier Ängste: Primär Angst vor dem Alleinsein und/oder Angst vor dem Verlust der finanziellen Sicherheit.


Sie ertragen lieber einen konstanten Mangel an Wertschätzung, Liebe und Lebensfreude, als die mutige Entscheidung zu treffen, aus der vermeintlichen Opferrolle herauszutreten und das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Und riskieren damit nicht nur dauerhafte Frustration, sondern letztlich auch die eigene physische und psychische Gesundheit. Ohne sich Gedanken darüber zu machen, am Ende des Lebens womöglich in Gram und Reue zurückblicken und erkennen zu müssen, nichts aus ihrem Leben gemacht zu haben. Für mich persönlich der schlimmste vorstellbare Gedanke. Wir haben nur dieses eine Leben und sind nicht hier, um uns durch einen Alltag zu schleppen, der uns nur unglücklich macht. Nein, wir sind hier, um ein Leben in Fülle zu führen, um Erfahrungen zu machen, gute wie auch schlechte, zu wachsen und zu reifen.

 

In diesem Zusammenhang ein Wort zu schlechten Lebenserfahrungen: Nur durch Erleben der so genannten Untiefen des Lebens sind wir überhaupt imstande, das Gute zu erkennen und zu schätzen, wahres Glück, Lebensfreude und Dankbarkeit zu empfinden. Schicksalsschläge und schwierige Lebenssituationen führen uns - sofern wir sie annehmen und nicht in Bitterkeit versinken - zu einem tieferen Lebensverständnis, sie lassen uns reifen, formen uns zu einem besseren Menschen: ‚Leid adelt den Menschen. Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren’ (Dalai Lama).


Ich möchte aber betonen, dass niemand, wirklich niemand dazu bestimmt ist, ein Leben in dauerhaftem Leid und Verzicht zu führen! Ja, es gibt sie, die Einschläge des Lebens, schwierige Phasen, die wir durchlaufen müssen, um zu wachsen und zu einem empathischen Menschen zu werden, doch niemand ist dazu verdammt, eine dauerhafte Last zu tragen. Die scheinbare Opferrolle ist immer auch eine selbstgewählte. Jeder Mensch hat die Wahl, aus ihr herauszutreten, Türen zu öffnen und sich für ein neues Leben zu entscheiden. Jederzeit.

 

'Entscheidung' ist hier das Stichwort, denn sie steht am Anfang von allem. Wir treffen jeden Tag eine Vielzahl von kleinen Entscheidungen. Sie gestalten im Stillen unser Leben, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir müssen uns diesen Prozess wie ein Bild vorstellen, das wir malen. Viele kleine Pinselstriche erschaffen schließlich das große Ganze - es ist das Bild unseres Lebens. In diesem Zusammenhang ist es essentiell, dass wir uns unserer vielen kleinen und großen Entscheidungen bewusst werden und sie steuern. Jede kleine Entscheidung führt zu einer kleinen Lebensveränderung, in letzter Konsequenz zu einer großen, und am Ende steht das ganze Bild, das wir selbst gestaltet haben.

 

Zunächst einmal ist es von aller größter Bedeutung, zu wissen, was man eigentlich will. Zu dieser Erkenntnis zu gelangen ist häufig der schwerste Weg überhaupt. Erst in vollem Bewusstsein der eigenen Bedürfnisse kann man überhaupt zu einer Entscheidung hinsichtlich der weiteren Zukunft gelangen. Ist diese dann erstmal getroffen, kommt das Leben wieder in Fluss. Solange man allerdings - bedingt durch diffuse Ängste - das Treffen einer Entscheidung scheut, verharrt man zwangsläufig in Lebenssituationen, die nur unglücklich machen. Diese Situation ist auch bezeichnend für eine Vielzahl von Beziehungen, vor allem langjährige, in denen sich die Partner durch Persönlichkeitsveränderungen oder den Verlust der Liebe längst auseinander gelebt haben. Treibender Motor dieser Beziehungen ist zumeist die Angst vor dem Verlust der Sicherheit. So entscheidet man sich jeden Tag erneut für ein Leben ohne Freude und Selbstverwirklichung, ohne Sinn, nur aus Angst vor einem Neubeginn. Angst vor einem möglichen Scheitern, in welcher Form auch immer, ist hier das Motiv. Doch ist es nicht besser, es wenigstens einmal versucht zu haben als am Ende des Lebens erkennen zu müssen, dass man aus Angst nie wirklich gelebt hat?

 

Selbst wenn ich zunächst nicht das erreiche, was ich ursprünglich wollte, wenn ich stolpere, werden sich immer wieder neue Türen öffnen, sofern ich dem Leben aufrichtig vertraue, dass es nur das Beste für mich bereit hält, und meiner Intuition folge. Wenn Du in diesem Glauben - tiefem (Ur-) Vertrauen - Deinen Weg beschreitest, kann und wird Dir auch nichts passieren. Der Glaube versetzt Berge, stand bereits in der Bibel: ‚Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein’. Wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile die Wirksamkeit dieser uralten Weisheit. Gedanken sind Energie und Energie manifestiert sich früher oder später im realen Leben. Eine rein physikalische Erkenntnis. Das heißt, deine Gedanken und Überzeugungen gestalten dein Leben. Bist du also von Ängsten gesteuert, werden diese Ängste eines Tages zwangsläufig Gestalt annehmen. Ebenso verhält es sich mit positiven Überzeugungen. Du musst also keine Angst haben - höchstens vor dir selbst. Denn du allein bist der kreative Kopf deines Lebens. Du hast die Macht, alles zu verändern. Vertraue auf deine Intuition, vertraue dem Leben und du kannst nur gewinnen.

 

Befreie dich von Dingen und Menschen, Lebensumständen, die dir nicht gut tun. Überstürze nichts. Ich bin kein Befürworter von so genannten 'Schnellschüssen'. Trete in Dialog mit dir, deinem Unterbewusstsein, horche aufmerksam in dich hinein. Und sollte ein totes Pferd dominanter Teil deines Lebens sein - in welcher Form auch immer - so wirst du es schnell erspüren. Vielen Menschen bescheren ihre unglücklichen Lebensverhältnisse ein derart ungutes Gefühl, dass sie sich fast schon krümmen müssen. Du sollst keiner von ihnen sein! Erkenne, was nicht gut für dich ist und triff eine Entscheidung für dich und dein Leben. Und du wirst sehen und spüren, wie es wieder Fahrt aufnimmt und in Fluss kommt. Nimm dir Zeit, lass dich fallen und hab Vertrauen in deine Intuition. Große Veränderungen keimen in der Stille. Und wenn du erst einmal eine Tür hinter dir geschlossen hast, werden sich andere Türen für dich öffnen. Neue Impulse und Ideen werden in dir aufkeimen. Achte auf sie und gestalte Dir langsam, von Pinselstrich zu Pinselstrich, dein neues Leben.